Identity, Locality and Diaspora
Eine interdisziplinäre Tagung zur kulturellen Identität in globalen Umbruchprozessen
11. - 13. Februar 2000 Warburg Haus, Hamburg
EXPOSE
Wir erleben gegenwärtig einen historischen Moment
globaler Umbruchprozesse, welche die Existenzbedingungen von Menschen und
Kulturen auf vielen Ebenen entscheidend verändern und mit deren Folgen, Chancen
und Risiken wir täglich nicht nur in den Medien konfrontiert werden. Weltweite
Wanderungsbewegungen von Menschen, Ideen, Waren und Kapital haben dazu geführt,
daß die Deckungsgleichheit von Kultur und Raum stärker als jemals zuvor in Frage
steht. Grundlage für die Selbstdefinition und die Lebenswirklichkeit vieler
Gruppen ist nicht mehr ein nationalstaatlich definiertes Territorium, sondern
die Erfahrung räumlicher Zerstreuung über Staatsgrenzen hinweg.
In dieser Umbruchsituation stellt sich für viele
Menschen die Frage nach Identität auf eine neue Weise. Kulturelle Grenzen
verschwimmen ebenso, wie politische Grenzen in Frage gestellt werden. Wie gehen
Individuen und Gruppen mit dieser Situation um? Wird die 'Hybridisierung' von
Kultur als Chance gesehen, wird eine 'neue Offenheit' gefeiert? Oder wird sie
eher als Gefahr verstanden, die dazu führt, sich stärker voneinander
abzugrenzen?
Solche Fragen nach Konstruktion, Erhalt und Veränderung
kultureller Identitäten unter den Bedingungen von Globalisierung sind Thema
einer internationalen Tagung des Instituts für Ethnologie der Universität
Hamburg unter dem Titel Identity, Locality and Diaspora (im Februar 2000).
Wurde als "Diaspora" ursprünglich die gewaltsame
Vertreibung und Zerstreuung der Juden und später auch der Armenier bezeichnet,
so hat der Begriff heute als Selbstbezeichnung zahlreicher kultureller
Gemeinschaften Hochkonjunktur. Von einer black diaspora, die die
transatlantische Zerstreuung afrikanischer Kulturen meint, ist ebenso die Rede
wie von einer indischen Diaspora, die von Südostasien über die Karibik bis in
europäische oder amerikanische Großstädte reicht.
Als vergleichende Wissenschaft von Gesellschaft und
Kultur ist die Ethnologie in besonderem Maße in der Lage, Ansätze zum Verstehen
und Erklären dieser Prozesse zu entwickeln. Globale Umbruchsituationen sind aber
nicht nur soziale und politische Herausforderungen, sie stellen auch neue
Anforderungen an die Wissenschaften. Nicht zuletzt müssen auch die
traditionellen Fächergrenzen in Frage gestellt und neue Ansätze
interdisziplinärer Kooperation entwickelt werden. Hierzu will die Tagung einen
Beitrag leisten, indem sie Vertreter unterschiedlicher Disziplinen
zusammenführt.
Die bisherigen Vorarbeiten am Institut für Ethnologie
der Universität Hamburg bieten dazu eine hervorragende Grundlage. Die
Arbeitsschwerpunkte des Instituts, Ethnizität und interethnische Beziehungen,
fragen vor allem nach Prozessen der Grenzziehung zwischen Gruppen. In einem
Forschungsprojekt zum Thema Kulturelle Identität in der Diaspora (u.a. gefördert
durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Hamburgische Wissenschaftliche
Stiftung und aus Mitteln der Universität Hamburg) werden erstmals in Deutschland
Fallstudien in verschiedenen Diasporagruppen gegenübergestellt und verglichen.
Ein Anliegen der Tagung ist es, die Ergebnisse dieses Projekts bekannt zu machen
und in einem Forum mit international führenden Wissenschaftlern zur Diskussion
zu stellen.
Das Thema der Tagung ist nicht nur von
wissenschaftlicher Aktualität. Neben den im engeren Sinne wissenschaftlichen
Fragestellungen soll die Tagung einen Beitrag dazu leisten, an Stelle von
Abgrenzung, Ausschluß und Konflikt Wege der Verständigung über Gruppengrenzen
hinweg zu eröffnen. LISTE DER TEILNEHMERINNEN UND THEMEN
1. Introduction and theoretical
considerations
Prof. Dr. Waltraud Kokot, Hamburg : Introduction.
Prof. Dr. Ulf Hannerz, Stockholm: De-localization of
cultures. Theoretical implications for anthropology.
Prof. Dr. William Safran, Boulder, Colorado:
Deconstructing and comparing diasporas.
Prof. Dr. Khachig Tölölyan, Middletown (USA): Theories
of diaspora and de-localization.
2. Focus Locality
Dr. Jefferson Bacelar, Salvador (Brazil): Afro-Brasilian
cultures.
Prof. Dr. Atvar Brah, London: Keynote Adress:
Geographies of identity.
Prof. Dr. Jannis Chasiotis, Thessaloniki: Past and present in of the Greek diaspora.
Prof. Dr. Karen Fog Olwig, Copenhagen: Individual,
family relations: Movement and incorporation in migration processes.
Prof. Dr. Treasa Galvin, Dublin: Negotiating identity in
an state of limbo ñ a case study of African asylum seekers in Dublin.
Prof. Dr. Christian Giordano, Fribourg: Globalization
and regionalization of identities: The return of the nation-state and the
temptations of secession.
Dr. Breda Gray, Cork: Paradoxes of "home" and diaspora
(Ireland).
Dr. Peggy Levitt, Wellesley, Mass: Comparative and
Historical Perspectives on Contemporary Transnational Migration.
Prof. Dr. Piaras Mac Einri, Cork: Changing identities in
the Irish diaspora.
Prof. Dr. Laszlo Körti, Miskolc (Hungary): The
redivision of Europe: Locality, regionality and identity at the millenium.
Dr. Walter Leimgruber, Zürich: No locality, no identity?
The example of the Yenish.
Susanne Schwalgin, M.A: Hamburg: "Diaspora space" in two
Armenian communities in Greece.
Prof. Dr. Jörg Wassmann, Heidelberg: Concepts of space
and transnational relations in the South Pacific.
Astrid Wonneberger, M.A, Hamburg: Transnational
connections: the Irish in Ireland and America.
3. Focus Religion
Dr. Martin Baumann, Hannover: Keynote adress: A
diachronic view at diaspora and the significance of religion.
Dr. Andreas Ackermann, Essen: A double minority: notes
on the Yezidi diaspora in Germany.
Dr. Ralph M. Becker, Hamburg: Conceptions of
"otherworlds" in Bahia and Nigeria.
Dr. Dieter Haller, Berlin: "Let it flow - Ökonomie,
Spiritualität und Gender im Netzwerk der Sindhis."
Regina Jach, M.A.: Hamburg: Spiritual churches in Ghana
and Hamburg.
Dr. Vladimir Kudryavtsev, Yoshkar-Ola (Russia):
Re-paganization and finno-ugric ethnicity in Russia.
Prof. Dr. Svetlana Tscherwommaja, Moskau: Sacred symbols
and sacred space in the Lithunian diaspora.
Dr. Martin Sökefeld, Hamburg: Religion or culture?
Concepts of identity in the Alevi diaspora.
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